Prognosetreffer leicht gemacht - Tipp 4

Ich sag genau was passiert - aber nicht wann und wo

Diese Methode ist meines Erachtens die absolut beste um spektakuläre und verblüffende Prognosetreffer zu erzielen. Dabei ist es gar nicht schwierig, sie anzuwenden - man braucht nur ein klein wenig Fantasie um ein “Ereignis” zu formulieren und etwas Zeit um abzuwarten bis etwas Adäquates passiert. Beispiel gefällig? Bitteschön:

    Ich sah das Flugzeug, ich sah Berge, ich sah die Wüste, eine Menge Toten, und das Unglück. Hinter einem Berg war dunkel Rauch zu sehen. Das Flugzeug ist wieder eine Propeller-Maschine, und keiner wird überleben! Die Maschine wird vielleicht gegen den Berg zerschellen.

So lautet Vision 34 von Jean Paul Zamora, erstellt am 27.01.2003. Die Prognose scheint auf den ersten Blick ziemlich exakt, aber was wird hier wirklich vorausgesagt? Irgendein Unglück mit einem Flugzeug (immerhin ein “genauer” Hinweis auf eine Propeller-Maschine) in Zusammenhang mit Bergen und einer Wüste, dunklem Rauch, “einer Menge” Toter und “keinen Überlebenden”. Die schöne Formulierung, dass die Maschine “vielleicht gegen den Berg zerschellen” wird schliesst dabei nicht aus, dass auch eine andere Art von Flugzeugunglück geschehen könnte. Und die Umschreibung ist nicht viel mehr als eine allgemeine Umschriebung von Bildern, wie sie bei fast jedem Flugzeugunglück in den Nachrichtensendungen zu sehen sind.

Tatsächlich konnte sich Herr Zamora (der auf seiner Webseite einen erstaunlich positiv kommentierten Link zu den Skeptikern der GWUP plaziert hatte - bis er Ende 2003 ein Interview mit mir im NDR hörte ... ... dabei hatte ich die Redakteurin sogar dazu ermuntert ihn doch auch zu interviewen, was sie natürlich auch tat ...) nur gut drei Wochen später eines tollen Erfolges rühmen:

    Iran, 19.02.'03 16.00 Uhr. 302 Toten! Es ist gerade in TV durchgesagt worden (20.02.), dass das Unglück in einer Höhe von 3500 M. passiert ist, und das Flugzeug ist tatsächlich gegen einen Berg zerschellt!

Interessant! Aber war dies wirklich so überraschend? Da die Vision nicht datiert war, musste er ja nur auf ein entsprechendes Unglück warten - und Unglücke dieser Art sind nicht einmalig. Eine kurze Suche in einem Pressearchiv mittels der Suchbegriffe “Flugzeugunglück” und “Berg” liefert ähnliche Abstürze für den 13.1.2003 (Peru, kleine Düsenmaschine), 25.11.2002 (Korsika, Propellermaschine) und 22.8.2002 (Nepal, Propellermaschine). Es gab jeweils keine Überlebenden und die kleine Abweichung von der Prognose beim Absturz der kleinen Düsenmaschine in den peruanischen Bergen halte ich für nicht gravierender als die in der Treffermeldung fehlende “Wüste” (... in Peru war es eine Eiswüste: die Trümmer wurden auf einem Gletscher gefunden ...).

Ohne zumindest grobe Angabe, wann und wo sich einer solche Vision erfüllen soll (ich erwarte nicht den genauen Ort und die Zeit, aber zumindest eine genügend nachprüfbare Abgrenzung in dieser Richtung), sind auch diese spektakulär erscheinenden Prognosetreffer nicht als Zeugnis irgendwelcher seherischer Fähigkeiten zu werten.

Probieren sie es einfach mal aus: Beschreiben sie leicht verallgrmeinert eines der täglichen Katastrophenbilder aus einer Nachrichtensendung ihrer Wahl - wetten dass diese “Vision” irgendwann wahr werden wird?

© Michael Kunkel, April 2003 - September 2008

letzter Update: Mittwoch, 26. November 2008